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Wehrleute: Muss jeder wirklich alles können?

Sicherheit Was der Kreisfeuerwehrinspekteur verändern möchte, damit die Wehren auch in Zukunft schlagkräftig bleiben

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Noch können die Feuerwehren im Kreis Mayen-Koblenz mit einer ausreichenden Mannschaftsstärke zu Einsätzen ausrücken. Damit dies auch in Zukunft so ist, muss nach Ansicht von Kreisfeuerwehrinspekteur Rainer Nell weiter kräftig die Werbetrommel für den Feuerwehrdienst gerührt werden.

Kreis MYK. Die Feuerwehren im Land stehen vor großen Herausforderungen. Landesweit drohen Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel. Und die Ausrüstung kostet die klammen Kommunen auch eine gehörige Stange Geld (die RZ berichtete). Wir sprachen mit Rainer Nell, dem Kreisfeuerwehrinspekteur von Mayen-Ko-blenz, wie er die Lage der MYK-Wehren beurteilt.

 

Den Feuerwehren im Land drohen die Feuerwehrleute auszugehen. Deshalb hat der Landesfeuerwehrverband Alarm geschlagen. Im Landkreis Mayen-Koblenz konnte hingegen im vergangenen Jahr die Zahl der Aktiven um 58 auf 2667 gesteigert werden. Und bei den Jugendfeuerwehren gab es ein Plus von 33 auf 481 aktive Jugendliche. Wie erklären Sie sich diese positive Entwicklung?

Auch wir verzeichneten von 2014 zu 2015 einen Rückgang, in den Folgejahren jedoch jeweils einen Anstieg der Zahlen bei den aktiven Kameraden. Auch bei der Jugendfeuerwehr sind wir froh über diese Entwicklung. So wurde im vergangenen Jahr in Virneburg eine neue Jugendfeuerwehr gegründet. Dies gibt dort natürlich Auftrieb und lässt die Zahlen ansteigen. Meines Erachtens ist ein Mix von Maßnahmen erforderlich und verantwortlich dafür, dass genügend Personen für den Dienst in der Feuerwehr zur Verfügung stehen. Ständiges Werben auf allen Ebenen und in allen Bereichen ist hier nötig, so zum Beispiel bei Feuerwehrfesten, und insbesondere die persönliche Ansprache von Personen und Jugendlichen. Auch wenn wir in Mayen-Koblenz derzeit noch personell gut aufgestellt sind, so dürfen wir uns nicht ausruhen. Wir müssen am Ball bleiben und Mitglieder werben, denn in Zukunft werden weniger Personen zur Verfügung stehen.

Was steht Ihres Erachtens an, um die Feuerwehr zukunftsfest zu machen?

Wir müssen gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Landesfeuerwehrverband überlegen, ob die Ausrichtung der Aufgaben und Ausbildung in der Feuerwehr noch der jetzigen Zeit entsprechen. Muss jeder Feuerwehrkamerad in allen Fachbereichen ausgebildet werden und fit sein, oder kann man zum Beispiel einen EDV-Fachmann nicht einfach in die Feuerwehr aufnehmen und ihn nur in der Einsatzzentrale einsetzen? Gleiches gilt auch für Menschen mit Behinderungen. Wir müssen auch hier Möglichkeiten finden, diese Menschen mitzunehmen, für den Feuerwehrdienst zu begeistern, und entsprechende Aufgabenbereiche anbieten. Auch die Einbindung von ausländischen Mitbürgern muss noch intensiviert werden.

Mit 63 Jahren müssen Feuerwehrleute aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Was halten Sie von Überlegungen, die Altersgrenze heraufzusetzen?

Die Wehrleiter im Landkreis haben sich zusammen mit mir dafür ausgesprochen, dass die Altersgrenze bleiben soll. Eine Anhebung durch den Gesetzgeber wird aber nach jetzigem Kenntnisstand kommen. Es gibt hier Vor- und Nachteile. Man kann länger in der Feuerwehr aktiv Dienst verrichten. Es stellt sich aber auch die Frage, ob alle im Alter von über 63 Jahren noch gesundheitlich so fit sind, dass sie die Aufgaben der Feuerwehr erledigen können. Aus dem ländlichen Bereich mit kleineren Feuerwehren und wenigen Einsätzen hört man öfters, dass die Anhebung der Altersgrenze sinnvoll ist. Bei Stützpunktfeuerwehren mit sehr vielen Einsätzen im Jahr ist dies ganz anders. Hier hört man öfters die Aussage, dass es mit 63 Jahren genug ist und die Belastung zu groß wird. Die Anhebung der Altersgrenze mag helfen, sie ist aber nicht das Allerheilmittel, um den Rückgang der Mitgliederzahlen abzuwenden.

Wie sind ihre Erfahrungen mit den Firmen und Arbeitgebern im Landkreis? Können deren Mitarbeiter, ohne Nachteile befürchten zu müssen, für die Feuerwehr tätig sein und von jetzt auf gleich zu Einsätzen eilen?

Die Erfahrungen sind gut. Sicherlich gibt es auch einmal Probleme, die aber mit Gesprächen oft gelöst werden können, wenn man um Verständnis bittet und die Wichtigkeit der Feuerwehren herausstellt. Ein sehr gutes Beispiel im Landkreis Mayen-Koblenz ist die Firma Durwen aus Plaidt, die sehr viele Mitarbeiter für die Feuerwehr Plaidt tagsüber freistellt. Es ist für Firmen sicherlich belastend, wenn ihre Mitarbeiter durch die Feuerwehr aus dem Betrieb genommen werden. Auf der anderen Seite hat die Firma aber auch Vorteile: Sie hat ausgebildete Feuerwehrkameraden in ihrem Betrieb, deren Wissen sie für Brandschutzaufgaben wie vorbeugenden Brandschutz et cetera nutzen kann.

Was wünschen Sie sich von den Gemeinden und Städten, um das Engagement in der freiwilligen Feuerwehr zu fördern?

Städte, Verbandsgemeinden und alle anderen öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber müssen noch mehr mit gutem Beispiel vorangehen und bei Einstellungen Feuerwehrkameraden und -kameradinnen berücksichtigen oder auch bei ihrer Belegschaft dafür werben, im Feuerwehrdienst tätig zu werden.

Samstag, 07. Dezember 2019

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